Alles über Nürtingen und die Brauerei Schöll
  Brauerei Schöll
 
Die Geschichte der Brauerei Schöll (Nürtingen)

Im Jahre 1877 erwarb der aus Metzingen stammende Braumeister Heinrich Jakob Schöll das Brauerei und Wirtschaftsanwesen "Vier Jahreszeiten". Im Jahre 1878 begann er dort mit einfachen mitteln Bier zu brauen. Und so war auch der erste Name der Brauerei, von dem Wirtschaftsanwesen abeleitet und hieß demnach "Brauerei zu den Vier Jahreszeiten".

Um eine größere Menge Bier brauen zu können begann er 1879 mit dem Bau eines Lagerkellers am Galgenberg.

(Schöll Mitarbeiter posieren 1905 vor dem neuen Brauereigebäude am Galgenberg)
Kurz vor der Jahrhundertwende ließ Heinrich Jakob Schöll zu dem bereits vorhandenen Lagerkeller noch ein Wohnhaus und der Gärkeller bauen.




Ebennfals in dieser Zeit übernahm Heinrich Jakob Schöll die nürtinger Brauerei "zum Erker". Heinrich Jakob Schöll starb 1905 und sein Sohn Heinrich Robert übernahm die Brauerei, jetzt unter dem Namen "Nürtinger Bürgerbräu". 
Bereits in dieser Zeit hatte die Brauerei, so geht es aus den Brandversicherungsunterlagen hervor, vom Pferdeantreieb der Maschinen auf eine Dampfmaschine von der Reutlinger Firma Kohllöffel (Baujahr 1900) umestellt. Auch im 
Kesselhaus stand ein elektrischer Dampfkessel von Wagner & Essemann (Baujahr 1892)

Die Zeit der Weltwirtschaftskrise ging auch an der Brauerei nicht spurlos vorüber, wie Akten aus diesem Zeitraum belegen. Die Brauerei bekam dadurch probleme, das ihre Großkunden wie z.B. der Unternehmer und Gaststättenbesitzer Wenzelburger aus Neckartailfingen sie nicht mehr bezahlen konnten. Durch viel Persönlichen Einsatz und durchhaltewillen konnte Heinrich Robert Schöll die Brauerei aber durch diese Krisenjahre führen und sie weiter Ausbauen.

Der zweite Weltkrieg unterbrach die expansion der Brauerei.


(Die Brauerei Anfang der 50er Jahre noch mit schmalerem Turm)
Aber nach dem 2. Weltkrieg, mit beginn der Wirtschaftswunderjahre kam der Aufschwung und die Brauerei konnte ihr Liefergebiet 
immer mehr über Nürtingen hinaus erweitern.

(Heinrich Robert Schöll Ende der 1950er Jahren/Vielen dank für das Foto an Betina Werz)
1954 erwarb die Brauerei zu Werbezwecken für 2505 DM eine große Leuchtreklame, sie wurde am Turm des Sudhauses angebracht und hing bis zum Abriss des Brauereianwesens 2007 dort. Das Brandversicherungsgutachten kam 1956 zu der Ansicht das die Brauerei rund 800.000 DM wert sei, diese war allerdingd noch mit vielen Vorkriegsmaschinen betrieben worden, die erst in den folgejahren durch neue ersetzt wurden,
Ab 1963 führte Heinrich Schöll, der Sohn Robert Heinrich Schölls die Brauerei unter dem Namen H.Schöll Brauerei Nürtingen.
Mit dem Niedergang der Kronenbrauerei Neckartenzlingen 1971und der Kilion Brauerei Carl Rau 1982 konnte der Kundenstamm nochmals vergrößert werden.


Nicht nur Bier vertrieb die Brauerei auch Sprudel und andere Anti-alkoholischen Getränke. Besonders beliebt unter Kurgästen war die Nürtinger Heinrichsquelle, die bis in die Schweiz und in die USA Exportiert wurde. Auch sie wurde von der Brauerei Schöll vertrieben.


(Bild: Die kurz vor der Jahrhundertwende errichtete Brauerei)
In den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts setzte das große Brauereisterben ein. Der letzte Braumeister und Leiter der Brauerei Klaus Schöll konnte die Brauerei nach dem Tod seines Vaters Heinrich noch bis 1991 weiterführen. Aufgrund innerfamiliärer Streitigkeiten konnte der Brauereibetrieb nicht mehr fortgesetzt werden.
Waren diese innerfamiliären Streitigkeiten einer der Hauptgründe, so kamen noch weitere Gründe dazu, die zur schließung der Brauerei führten.
In der "Nürtinger Zeitung" erklärte der letzte Brauereieigentümer Klaus Schöll die Gründe. "Meine Brauerei ist mit einem Hektoliterausstoß von unter 20.000 bereits sehr klein", sagte Klaus Schöll, " der Wettbewerb verschärft sich von Tag zu Tag, dazu kommt, die Umstellung der Flaschen und Bierkisten".
Dies bereits waren schon wichtige Gründe, dass die Brauerei schließen musste, dazu kam noch, dass der Vertrieb der Getränke unter Klaus Schöll immer mehr zurückging. Klaus Schöll so konnte ich über Recherchen erfahren, hatte in den Jahren der Brauereileitung grobe Handwerkliche, Logistische und Ausendarstelerische Fehler gemacht die, die Brauerei in verruf brachte.
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1991 lief die letzte Flasche Nürtinger Schöll bier vom Band.
Viele bedauern diese Entwicklung und das Ende der Brauerei, wie Herr Weber, vom größten Getränkemarkt der Region Nürtingen, Getränke Weber, der vor allem von den Alkoholfreien Getränken begeistert war


Die Brauerei stand noch lange Jahre nach der schließung. Kurz vor ihrem Abriss 2007 konnte ich sie noch einmal in aller Ausführlichkeit begutachten.



(Bild: Büro der Brauerei)
Mit der Schließung der Brauerei sollte die Nürtinger Brautradition für einige Jahre enden. Seit einiger Zeit gibt es allerdings wieder ein Wohlmundendes Nürtinger Bier, von der Schlachthofbrauerei.

Braumeister ist ein ehemaliger Schöll Mitarbeiter.


Verbreitungsgebiet

Aus meinen Recherchen geht hervor, das Nürtinger Bier nahezu im ganzen Altkreis Nürtingen ausgeschenkt wurde, verstärkt in Nürtingen, Aichtal, Neckartenzlingen, Beuren, Neuffen, Linsenhofen, Grafenberg, Wendlingen, Unterensingen und Kirchheim/Teck, Aber auch bei zahlreichen Getränkehändlern und Gaststätten im ganzen Mittelwürttembergischen Raum, von der Reutlinger Gegend bis nach Sindelfingen konnte man Getränke der Schöll Brauerei erwerben. Aber auch in einigen Deutschen Großstädten (z.B. Paderborn) konnte man das Bier kaufen. Insgesamt führten am Ende der Brauerei noch über 200 Gasthäuser und Kneipen Getränke der Brauerei Schöll. Der Kundenstamm wurde nach Ende der Brauerei an Stuttgarter Hofbräu verkauft.

Die Nürtinger Heinrichsquelle konnte man in ganz Deutschland, in mehreren Europäischen Ländern und den USA erwerben

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